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Den von der Freiburger Medizinerin Prof. Karin Michels ausgelösten Medienrummel um das Koksöl („das reine Gift“), möchte ich nicht umkommentiert lassen und einige Fakten dazu weiter geben:

Die Kokospalme, cocos nucifera, die zu den Palmengewächsen zählt, gibt es schon seit Jahrtausenden. Ihre Verbreitung in den gesamten Tropen der Welt verdankt sie einerseits den Seefahrern und andererseits der Schwimmfähigkeit ihrer Früchte, die überall an den Küsten angeschwemmt wurden. Dabei ist die Kokosnuss botanisch eine Steinfrucht wie die Kirsche oder die Aprikose. Die eigentliche Nuss (botanisch Kopra, das Nährgewebe der Kokosnuss), die wir kennen, wird von einer grünen festen Schale umhüllt (ähnlich der Walnuss-Schale), die von Kokoswasser umgeben ist. Aus Brasilien kenne ich die Nutzung dieses süßlich schmeckenden Kokoswassers, das an den Straßenrändern feil geboten wird indem die ganze Frucht oben aufgeschnitten wird, ein Strohhalm reingesteckt wird und man das köstliche Nass, das reich an Mineralien ist, in der Hitze bestens gebrauchen kann. Kostet dort nur „Pfennige“! Die eigentliche Nuss hat eine faserige Schale, die entfernt werden muss (daraus werden u.a. Kokosmatten gefertigt) , um das weiße Fruchtfleisch weiter nutzen zu können. Eine Kokospalme kann bis zu 100 Jahre alt werden, ab dem 12. Jahr liefert sie Ernten, wobei je nach Standort 30 - 80 Nüsse pro Baum und Jahr geerntet werden können. Dieses Ernten ist ein gewagtes Unternehmen, denn die Bäume werden 20-25m hoch! Mit langen Stangen versucht man die Nüsse herunter zu schütteln oder man schickt sportliche Kletterer nach oben, um die Früchte abzuschneiden. Auch dressierte Affen werden eingesetzt, aber die empfinden die ganze Kletterei oft nur als Spiel und verlieren die Lust auf das, was die Menschen von ihnen wollen! An dieser Stelle eine Kuriosität: Wussten Sie, dass schätzungsweise bis zu 100 Menschen pro Jahr an herabfallenden Kokosnüssen sterben? Tatsache! Denn die Früchte mit einem Eigengewicht von 1-3kg entwickeln beim Runterfallen eine Kraft von über 1 t! Vorsicht also in den Tropen! Die Früchte reifen das ganze Jahr über!

Nach Trocknung und Pressung werden die Nüsse weiterverarbeitet: Sie enthalten 63-70% Fett, das zu 82% als Triglyceride (also gesättigte Fettsäuren) vorliegt. Damit sind sie gesättigter als Palm- oder Butterfett, weswegen sie überwiegend als Koch- oder Bratfett Verwendung finden oder auch in der Kosmetikindustrie als Grundlage für Salben und in der Seifenherstellung. Äußerlich angewendet sorgt diese Fettstruktur dafür, dass das Gewebe glatt wird; innerlich jedoch erhöht es im menschlichen Körper das „schlechte“ (in den Blutgefäßen abgesetzte) Cholesterin LDL und stellt somit ein Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen dar. Und hier ist der kritische Punkt: dieses Öl sollte zum Braten und Frittieren genutzt werden, keinesfalls sollte es andere Öle von unserem Speiseplan verdrängen, denn da brauchen wir einfach oder mehrfach ungesättigte Fettsäuren, die sich nicht in den Blutgefäßen absetzen!! Das bei uns wachsende Rapsöl hat eine ähnliche Struktur wie Olivenöl und ist sehr zu empfehlen ebenso wie natives Sonnenblumen-, Kürbiskern- oder Leinöl! Als Landwirtin war ich von Anfang des Hypes auf Kokosöl wenig begeistert, denn eigentlich sollten wir das essen, was bei uns wächst und nicht die Früchte aus den Tropen, die lange Lieferwege hinter sich haben, deren Anbaumethoden vielleicht fragwürdig sind abgesehen von ökologischen und sozialen Standards, die meist nicht eingehalten werden. Die Hauptanbaugebiete heute liegen in Indonesien, auf den Philippinen und Indien mit oft erbärmlichen Zuständen, was sich im Preis für Kokosnüsse bei uns wieder spiegelt (selbst wenn ich sie kaufen würde, kosten Kokosnüsse aus zertifiziertem Anbau fast nichts - was sollen die Menschen dort dann verdienen??).
Kokosfett wird übrigens ähnlich wie Kokosöl gewonnen, wird nur nach Pressung und Extraktion noch raffiniert, gebleicht und desodoriert und hat dann gar keinen Geschmack mehr (geschmacksneutral). Auch nicht besser!

Ich möchte es nicht verteufeln, auch wir nehmen gesättigte Fette, wenn es an Weihnachten Fondue gibt, aber selbst zum Anbraten nehme ich hiesiges Bratöl aus Sonnenblumen, wo es eine spezielle Züchtung gibt (high oleic) mit hohem Anteil an gesättigten Fetten.

Die Kokosmilch, die viel gerade für asiatische Gerichte eingesetzt wird, wird aus vermischtem Fruchtfleisch der Kokosnuss mit Wasser hergestellt, dann püriert und gepresst. Diese milchige aromatische Flüssigkeit wurde nicht extrahiert und enthält somit das ganze Fruchtfleisch, also kein reines Fett. Die Fett- und die Wasserfraktion entmischen sich leicht, weshalb die Kokosmilch immer aufgeschüttelt werden muss. Manche Hersteller, gerade in der westlichen Welt, setzten Emulgatoren oder Stabilisatoren ein, um dieses Entmischen zu verhindern.

Ich hoffe mit dieser Aufzählung einen kleinen Beitrag zur Aufklärung über das Kokosöl beitragen zu können - die Bezeichnung „reines Gift“ erscheint mir provokativ und sehr übertrieben, aber so gut, wie uns manche Hersteller glauben machen wollen, ist es bestimmt auch nicht! Und es wächst hier nicht!